Der Podcast für Opfer, Betroffene und Überlebende von sexualisierter Gewalt
00:00:00: Eine ptbs Diagnose ist doch immer eine ptsdiagnose, oder?
00:00:06: Na ja wie ist das denn wenn wir in andere kulturelle Kontexte schauen.
00:00:11: Was ist es wenn wir als Asiatinnen in Deutschland aufwachsen unsere Eltern irgendwo aus einem anderen asiatischen Land kommen?
00:00:20: Wie ist dann Das Selbstbild, wie gehe ich mit der Diagnose um als Betroffene?
00:00:26: Wie gehe ich damit mit meiner Familie in meinem Umfeld um.
00:00:29: Wie geht meine Familie und mein Umfeld mit meiner Diagnosis um?
00:00:32: Haben wir Sprache?
00:00:33: können wir darüber sprechen?
00:00:35: ist es stigmatisiert?
00:00:37: Und noch viel mehr.
00:00:39: über all das werden wir in dieser Folge mit meinem Gast Lisa Tide sprechen.
00:01:30: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge hier bei uns im Survivor Queen Podcast, der Podcast von und für betroffene Überlebende.
00:01:39: Und auch Opfer von sexualisierter Gewalt!
00:01:43: Und mittlerweile auch allen Fachkräften und Allies und Menschen die irgendwie drum herum da sind, die sich für Themen rund um Trauma, Traumaufarbeitung, Traumeheilungen, Nervensystem etc.
00:01:57: interessieren.
00:01:59: Ich freue mich, dass ihr eingeschaltet habt.
00:02:23: auf allen gängigen Podcast-Plattformen zur Verfügung stellt, weil wir der festen Überzeugung sind Trauma, Wissen und Heilung dürfen kein Luxus gut sein.
00:02:34: Und wir würden uns freuen wenn ihr die monetären Kapazitäten habt das hier unsere Spende zukommen lasst oder vielleicht sogar eine Spendenmitgliedschaft abschließt damit wir unsere Arbeit als Team so weiter machen können Weg vom Intro hin zu heute!
00:02:55: Wir haben heute ein super spannendes Thema am Start und ich gebe euch einmal kurz eine Einleitung, wie wir überhaupt zu diesem Thema gekommen sind.
00:03:03: Und die Einleitungen fängt tatsächlich relativ persönlich an denn bei mir in einer der vielen Gruppen, in denen ich bin ist ein Aufruf gelandet zum Thema Hey!
00:03:16: Seid ihr Asiatisch?
00:03:21: Trauma erlebt, am besten eine PTBS und werd ihr breit für eine Masterarbeit ein Interview zu machen.
00:03:31: Und ich saß da und dachte well alle Häkchen sind gemacht?
00:03:36: Ich glaube hier bin ich gemeint!
00:03:39: Also habe ich dann Lisa kontaktiert.
00:03:43: wir haben geschrieben und relativ schnell dann Termin gehabt und plötzlich war ich Teil einer Masterarbeit Eine von vielen.
00:03:52: Und ich fand das Thema so, so spannend – ich lese euch einmal den sehr langen Titel vor, wir werden ihn sicherlich noch mal runterbrechen!
00:04:00: Die Masterarbeit ist abgegeben worden mit dem Titel PTBS bei asiatischen Migrantinnen der zweiten Generation eine qualitative Untersuchung kultureller Verständnisse und diagnostischer Prozesse.
00:04:13: Als ich das gehört habe und als ich Teil dieses Interviews war, war Boah Lisa, was für ein unglaublich cooles Thema.
00:04:21: Wenn die abgegeben ist wenn du durch mich geatmet hast und selber wieder eine Vogelperspektive auf das Thema hast melde dich.
00:04:29: wir sprechen darüber über deine Arbeit und deine Ergebnisse bei uns hier im Podcast und damit mit einer sehr langen Einleitung das Spotlight rüber.
00:04:37: zu dir Lisa.
00:04:38: ich freue mich dass ihr hier bist.
00:04:39: hi
00:04:40: Hallo, Mai.
00:04:41: Ja ich freue mich riesig über deine Einladung aber vor allem auch dass du eben mein Aufruf gesehen hast damals und dich sofort gemeldet hast.
00:04:49: Ich hatte schon ein bisschen Bammel mit so einem super spezifischen Topic ob ich da überhaupt jemanden finden würde Und ich habe ja letztlich dann sechs Personen interviewt alles unglaublich spannende Persönlichkeiten und das sich jetzt mit dir auch noch einmal darüber sprechen darf ist mir eine Riesenähre.
00:05:06: Das freut mich voll voll gerne.
00:05:10: Genau und du sagst ja schon, es ist ein sehr spezifisches Thema mit einer sehr spezielichen Zielgruppe.
00:05:16: Wie bist du aufs Thema gekommen?
00:05:19: Ich habe mein Master in internationalen Entwicklung in Wien studiert und dort bin ich auch eher zufällig erst mal in einen Seminar gekommen.
00:05:28: da ging es um Disability und das war erstmal ein relativ großes Thema Und ehrlich gesagt, ich hab meinen Stundenplan oft einfach so zusammen gewürfelt Dass ich halt meine Punkte zusammenbekommen und dass es sich zeitlich auch gut ausgeht.
00:05:42: Also, ich habe mir gar nicht zu viele Gedanken darüber gemacht ob das Thema Disability jetzt genau das richtige für mich ist.
00:05:50: Und dort hatte ich wirklich einen unglaublich professionellen und auch herzlichen Professor der diese Lehrveranstaltung gehalten hat.
00:05:59: Da ging es dann sehr viel um... Menschen mit Behinderungen, aber auch die größeren Kontexte dahinter.
00:06:07: Also nicht nur in Deutschland oder Österreich, sondern auch globalen Kontexten.
00:06:12: Auch diese Zusammenhänge, dass es wahrscheinlich die größte Minderheit der Welt ist.
00:06:19: Mit einem steigerten Lebensalter, das man früher oder später an körperlichen oder auch kognitiven Behinderung erkranken wird und diese Diagnose erhalten wird.
00:06:32: Und dann, was für mich auch sehr spannend war, auch ein wenig die Bezüge herzustellen.
00:06:37: Wie ist das eigentlich im Vergleich von hier zu anderen Ländern?
00:06:42: Auch dass zum Beispiel Behinderung zum Teil ja auch geschaffen wird – also durch Kriege, z.B.
00:06:49: menschenkörperlich... körperliche Behinderungen erhalten, aber zum Teil ja auch traumatisiert werden durch die Flucht.
00:06:57: Durch den Krieg selbst oder auch durch das Leben danach.
00:07:02: und das waren dann so spannende Zusammenhänge für mich.
00:07:05: es ging sehr viel auch bisschen durch die historische Entwicklung.
00:07:08: wie ist denn das alles überhaupt?
00:07:10: Wie sind wir zu dem Begriffen gekommen?
00:07:11: Wir sind dazu gekommen dass Menschen mit Behinderung in der UN-Behindertenrechtskonvention überhaupt einfach mal festgehalten wurden und Rechte bekommen haben.
00:07:24: Und es gab eben auch da dann nochmal einen besonderen Fokus, auf psychische Erkrankungen und kognitive Behinderungen.
00:07:32: Das war für mich unglaublich spannend!
00:07:36: Es war auch sehr emotional für mich... Falls du das jemand dazuhörenden kennt in Wien, der Lehrseil in der Nähe vom alten AKH.
00:07:47: Und dort gibt es auch den sogenannten Ehrenturm oder wie's noch umgangssprachlich genannt wird.
00:07:53: Das war eine der ersten psychiatrischen Einrichtungen in Europa und inzwischen Gott sei Dank ein Museum.
00:08:02: damals für die Zeit vielleicht sogar Bahn brechen dass es überhaupt eine extra Einrichtung gibt für Menschen mit psychischen Erkrankungen.
00:08:10: Aber in der Realität war das eigentlich wie ein Gefängnis und es waren fürchterliche Bedingungen.
00:08:16: unter den damaligen Wissenständen.
00:08:18: Gab es ja noch ganz, ganz schlimme Behandlungsmethoden also in Anführungszeichenbehandlungen Und das hatte mich sehr mitgenommen.
00:08:27: ich weiß auch In diesem Seminar.
00:08:30: damals sind mir auch die Tränen gekommen.
00:08:32: Es hat mich sehr Mitgenommen und da habe Ich einen unglaublich freundliches und liebevolles Umfeld erlebt.
00:08:41: Also meine Mitstudierenden, aber eben auch der Dozent, der diese Lehrveranstaltung geführt hat die haben mich sehr gut aufgefangen Und da war für mich auch irgendwie klar das ist ein Thema was mir wichtig ist.
00:08:56: Das ist ein thema wo ich vielleicht auch mehr forschen möchte und Ich habe hier einen potenziellen Betreuer bei dem ich mich wirklich wohl fühle Und bei dem ich auch bereit bin, in ein sehr potenziell schwieriges Thema hineinzuschauen.
00:09:15: In diesem Seminar selbst habe ich dann auch einen Referat gehalten über die Global Mental Health Bewegung und auch ein wenig darüber wie die Konzepte von psychischer Erkrankungen quasi globalisiert wurden.
00:09:29: Hier typisch wie wir es in der internationalen Entwicklung im Studiengang machen wird auch sehr machtkritisch geforscht.
00:09:35: Also klar ist es irgendwie auch gut, dass jetzt der Zugang und das Wissen über Diagnosen- und Behandlungsmöglichkeiten in der ganzen Welt verbreitet werden.
00:09:46: Aber dann gab's auch so kritische Stimmen die sagen wer sagt denn überhaupt, dass die Diagnose wird zum Beispiel die PTBS-Diagnose die vor allem in den USA oder auch Deutschland untersucht wurden?
00:10:00: dass die genauso eins zu eins, hundert Prozent in jedem anderen Land der Welt genau so verstanden und genauso behandelt werden kann.
00:10:10: Und daraufhin habe ich dann meinen Betreuer drauf angesprochen, das sich da gerne weiter forschen möchte also damals noch nicht betreuer und er hatte das dankbarerweise angenommen und
00:10:21: auch
00:10:22: total freundlich reagiert.
00:10:24: und ja... Das war der Startschuss für eine wirklich aufregende und auch schöne Masterarbeit.
00:10:32: Das glaube ich sofort!
00:10:35: Und allein mit allem, was du jetzt schon nur als Hinleitung oder als Einstieg erzählt hast könnten wir jetzt da wieder eine komplette Stunde hier an Podcast füllen.
00:10:46: also die Philosophie und das diskutieren über Behinderung ist man behindert wird man behindern?
00:10:53: Also da sind wir ja in einem nochmal ganz anderen Feld.
00:10:57: Ich würde es am liebsten jetzt mit dir aufmachen.
00:10:59: Wir machen das nicht, wir versuchen halbwegs einen Fokus zu halten!
00:11:04: Ich mag noch eine kleine Anekdote erzählen die gar nicht direkt mit der PDBS zusammenhängt, die aber finde ich auch nochmal sehr den Punkt zeigt, den du gerade klargemacht hast mit dem Machtkritischen und der Deutungshoheit.
00:11:19: Ich habe zum Beispiel eine Klientin, die hat wie ich nen vitaminischen Hintergrund Und die hat unter anderem eine Diagnose weiblicher Narzissismus von einer Uniklinik bekommen.
00:11:34: Ich kenne sie schon, ja in der gemeinsamen Arbeit und ich war nur... hab mich nochmal hingesetzt, noch mal meine Hausaufgaben gemacht, mir die Diagnosemannuale angeguckt und habe festgestellt, was sind denn so die Leitkriterien?
00:11:54: Leitkriterium weiblicher Nazismus, Selbstaufgabe für andere.
00:11:59: Die Bedürfnisse anderer immer über die eigenen Stellen ganz lange die eigenen Gefühle und Bedürfenste zurückhalten bis man irgendwann nicht mehr kann und explodiert.
00:12:12: Dadurch entstehen dann Schuldzuweisungen und ich habe das doch alles nur für dich gemacht.
00:12:22: Ich mach mal Punkt an der Stelle, aber ich glaube du nix schon.
00:12:25: und ich glaube Menschen die uns zuhören, die selber irgendwie asiatisch sozialisiert sind.
00:12:32: Die müssen ein bisschen schmunzeln.
00:12:33: Hä?
00:12:33: Das ist doch normal!
00:12:35: Ja und genau da sind wir beim Thema Macht- und Deutung in einer kollektivistischen Gesellschaften.
00:12:46: sind das Eigenschaften, die wirklich normal sind, gewünscht und gefördert werden.
00:12:53: Und wenn wir das dann – also die Diagnose, die dieser Einzelperson jetzt bekommen hat?
00:12:58: Wenn wir das einmal auf eine Metaebene schauen bedeutet dass der Großteil der Menschen in Vietnam wahrscheinlich nach der Deutung ICD oder DSM weibliche Narzisstinnen sind Und da kriegen wir ein Problem.
00:13:17: Oh ja, und es ist schon auf einer ganz kleineren Ebene auch einfach was für Gästigen normal sind – was erwartet wird etwas wo Menschen ohne Migrationshintergrund das vielleicht gut nachverziehen können.
00:13:34: als ich damals meinen SchülerInnen-Austausch gemacht hatte nach Italien.
00:13:39: Da hat mich die Gastfamilie direkt abgeküsst!
00:13:42: als Begrüßung.
00:13:43: Und ich hab das damals wirklich als übergriffig empfunden, auch der Opa und die Tante irgendeines Grades.
00:13:51: Ich fand es ganz schlimm, dass sich da einfach feuchte Busse aufs Gesicht gekriegt habe.
00:13:59: Da denke ich mir auch, dass ich das aber als übergriffen empfinde.
00:14:03: Das ist auch einfach ... Die Sozialisierung, die ich jetzt in Deutschland so erlebt habe, da hätte man sich vielleicht die Hand geschüttelt oder noch umarmt.
00:14:11: Hier in Wien ist ja auch ganz gängig Püschen links und rechts, aber zum Glück nur so die Wange ineinander.
00:14:17: Damit komme ich noch zurecht!
00:14:19: Aber das sind schon die kleinen Sachen.
00:14:21: Und wenn wir dann eben auf eine höhere Ebene kommen, auf Diagnose wo man wirklich sehr sensibel drauf schauen muss was ist denn überhaupt normal für diese Personen?
00:14:33: In welchem Umfeld ist sie groß geworden?
00:14:35: In was für eine Sozialisierung?
00:14:38: Was für Werte gibt es da?
00:14:41: die ganze Zeit nicken, weil ich mir dachte als asiatisch gelesene Frau klingt das nach Eigenschaften, die zum Teil ja auch wirklich erwartet werden.
00:14:50: Wo man vielleicht sonst als egoistisch oder als respektlos wahrgenommen wird wenn man sich nicht so sehr für andere einsetzen würde für die Mitmenschen.
00:15:03: Ja also es ist ein super spannendes Thema und für mich war auch ein wenig klar, ich möchte gerne schauen wie es eben auch ist bei Menschen mit Migrationsgeschichte.
00:15:18: Denn es gibt schon einige Forschung die eben sagt in manchen Ländern können diese Diagnosen verstanden werden oder nicht Verstanden werden.
00:15:30: In manchen Länder müssen sie vielleicht angepasst werden aber es gab sehr wenig dazu.
00:15:35: Wie ist das denn bei Individuen?
00:15:37: die zwischen zwei Kulturen aufgewachsen sind.
00:15:41: Und auch hier könnte man eine riesige Debatte über Identität und Zugehörigkeit starten, denn früher war ja ein bisschen der Gedanke Integration bedeutendlich anzupassen und die Werte zu übernehmen, die das Umfeld dir vorgibt.
00:15:54: Und inzwischen sind wir auch glücklicherweise soweit anzuerkennen dass auch eine Mehrfachzugehörigkeit möglich ist.
00:16:03: Ich selbst zum Beispiel bezeichne mich als chinesische deutsche und eben chinesisch als Zusatz, aber ich bin Deutsche.
00:16:11: Punkt!
00:16:12: Ich habe die Staatsbürgerschaft und ich fühle mich auch sehr deutsch.
00:16:15: Und ich bin auch hier geboren und groß geworden.
00:16:17: das ist meine Muttersprache.
00:16:19: Ich bin definitiv sehr Deutsch und trotzdem habe ich diverse Einflüsse aus meiner Erziehung oder aus der Familie so erlebt, die ich jetzt aber auch nicht weg zaubern kann und die mich ja auch noch irgendwie beeinflussen.
00:16:34: Ja, jetzt habe ich immer ein bisschen den Faden verloren.
00:16:37: Worauf wir zweiter hinausrollen?
00:16:41: Ganz wild!
00:16:41: Ich nehme den Fadern gerade mal auf... ganz natürlich und finde es voll schön dass du auch von dir erzählst.
00:16:51: Ich hole unsere Zuhörenden einmal ganz kurz ab.
00:16:55: Wir sprechen ja hier über die ptbs nur die posttraumatsch Belastungsstörung.
00:17:01: Wir haben im podcast Ganz viele Folgen dazu, mal mehr und mal weniger ausführlich.
00:17:07: Deswegen gehen wir hier jetzt nicht nochmal ganz or detail auf die Grundlage der pdbs ein weil wir ja weiter schauen wollen mit Lisa Kritik und etc.
00:17:21: Das heißt ich mag einfach nur einmal kurz wiederholen für diejenigen, die vielleicht jetzt gerade zum allererst mal eingeschaltet haben und sich fragen.
00:17:29: Wir haben im Prinzip drei Leitsymptome oder drei große Cluster wenn wir aus dem ICD Beziehungsweise elf Schauen, also dem Manual in dem alle körperlichen und psychischen Krankheiten aufgelistet sind.
00:17:44: Wir haben auf der einen Seite sogenannte Intrusionen die meisten kennen das eher als Flashbacks, dass ich quasi Erinnerungen plötzlich wieder vor Augen habe oder über andere Sinne Gerüche oder eben auch im Alträum.
00:17:58: Also ich erlebe die traumatisierende Situationen.
00:18:03: Wir haben den kompletten Bereich der Vermeidung, also alles was mich potenziell triggern könnte.
00:18:09: Was potenziellschwierig ist an Thema, an Mensch, an Orten mache ich Bögen drum herum und wir haben die Übererregung, den Hyper Arousal das ein Nervensystem Diejenigen, die ganz oft dabei sind.
00:18:24: Wir wissen es gibt hier keine Folge, wo nicht einmal so ein Nervensystem fällt, wo das Nervensystem übererregt ist im Alarmzustand und dauerhaft auf Habacht ist.
00:18:35: Was nochmal mit ganz vielen anderen Problemen einhergeht, über die wir auch hier so im Podcast sprechen.
00:18:41: So!
00:18:41: Und das lassen wir einmal – würde ich sagen außer du hast noch was zu ergänzen Lisa – einfach als so ein grundlegendes Bild und Gefühl für euch dass wir alle hier on the same page sind, wenn wir über pdbs sprechen.
00:18:57: und damit würde ich sagen schauen wir mal weiter lisa wie haben ja ganz viele allein schon vom titel deiner arbeit her haben wir schon ganz viel ja ganz viel wo wir reinschauen können.
00:19:08: vielleicht starten wir einfach mal bei dem thema wo wir auch gerade beide schon bei waren mit dem themai identität.
00:19:12: also du sprichst ja in deinem titel ja schon von Asiatisch.
00:19:19: So und da sind wir bei der Frage, was ist eigentlich asiatisch?
00:19:23: Wer ist asiatische?
00:19:26: Wer fällt denn da rein?
00:19:28: Ja das ist auch schon super spannend, denn auch hier gibt es viel zu diskutieren könnte man sagen.
00:19:36: Lange Zeit wurde unter asiatischen eigentlich Ostasiatisch verstanden vor allem China, Vietnam und Korea.
00:19:44: Und das ist zum Beispiel sagen, lass uns Asiatisch essen gehen.
00:19:48: Dann denkt man vielleicht an Sushi oder ein chinesisches Restaurant, vielleicht auch vietnamesisch oder thailändisch.
00:19:55: aber unter asiatisch versteht jetzt niemand kirgisisch oder türkisch
00:20:01: z.B.,
00:20:01: obwohl diese Länder in Asien sind.
00:20:04: und das ist ein großer Begriff der zum Teil auch in der Wissenschaft nicht so... differenziert genutzt wurde.
00:20:13: Es gibt zum Beispiel in den USA auch sehr viel Forschung über Asians und Asian immigrants, und da wird dieser asiatisch Begriff auch als Schirm genutzen.
00:20:24: und meistens – und das ist auch das wo wir langsam zum Thema Rassismus kommen – meistens wird es damit verbunden wie die Person aussieht.
00:20:32: Also hat diese Person ostasiatische Features also man derförmige Augen dunklere Haare Eine flachere Nase zum Beispiel, das wären dann alles Fälle wo man sagt okay die ist asiatisch oder sieht asiatische aus weil dieser Begriff Asiatischen so ja in unserem Alltag eigentlich drin ist.
00:20:52: Aber und so habe ich das auch in meiner Arbeit genutzt Ich möchte den asiatischen Begriff als Selbstbezeichnung auch anbieten.
00:21:02: Das heißt eine Person die sich als Asiatisch versteht Die ist hier auch mit gemeint Und das finde ich auch ganz spannend.
00:21:10: In den letzten Jahren gab es ja immer mal wieder neue Bewegungen um das Thema Identität und Zugehörigkeit, und da gibt es auch eben asiatische Communities die eben auch viel vielfältiger sind.
00:21:25: Das dann eben auch indische Personen und russische Personen aus Zentralasien, aus Westasien dass diese Menschen Asiaten sind, einfach geografisch gesehen.
00:21:38: Genauso wie jeder Europäer ist, der in diesen Linien des Kontinents lebt oder aufgewachsen ist und das unabhängig davon ist, wie man auch aussieht.
00:21:51: Und da habe ich dann schon darauf geachtet eine Person von den Eltern zumindest sollte im Kontinent Asien geboren sein Und dann ist es aber egal, welches Land ist spezifisches.
00:22:09: Und hier wollte ich auch den Betroffenen die Möglichkeit geben sich damit zu identifizieren oder eben nicht.
00:22:16: also ob Ich mich als asiatisch identifiziere?
00:22:19: Ob ich mich selbst als Asiatisch bezeichne das kann nur die Person selbst entscheiden.
00:22:25: und natürlich ist Es bei solchen Themen immer auch schwierig wie ich jetzt genau meine Forschungsgruppe eingegrenzt habe denn natürlich keinen, ich habe nicht den Anspruch zu sagen und bei allen asiatischen Menschen wird die ptbs so und so verhandelt oder das gilt für alle asiatische Familien.
00:22:45: also das ist überhaupt nicht mein Wunsch.
00:22:49: Natürlich ist der Begriff viel zu groß als dass wir denen so pauschalisieren könnten.
00:22:54: Ich wollte aber nicht einfach genau ein Land rauspicken.
00:22:58: Ich wollte nicht sagen nur mit chinesischer Migrationserfahrung, nur mit vietnamesischer Migrationserfahrung sondern hab's bewusst mal offen gehalten um auch einfach zu schauen wer meldet sich da überhaupt?
00:23:11: also das war super spannend und es sind auch nicht nur Menschen die als ostasiatisch gelesen werden und fand es aber auch so wichtig Denn viele Erfahrungen sind eben auch sehr ähnlich.
00:23:28: Und natürlich wurden unterschiedliche Rassismus-Erfahrungen gemacht, denn ob ich einer gewissen Ethne zugeschrieben werde oder einer anderen, das unterscheidet natürlich auch wie Menschen mich behandeln, wie sie mir entgegenkommen und auch wie mein Name ist.
00:23:43: Und trotzdem gab es eben ganz viele Ähnlichkeiten wo's vielleicht doch eher darum geht
00:23:49: dass
00:23:51: im gesamten asiatischen Kontinent wahrscheinlich die Diagnosen, wie es sie jetzt gibt, stammen aus dem Westen.
00:23:58: Die stammen von Zentraleuropa und den USA und wurden in die gesamte restliche Welt exportiert – zum Teil auch implementiert oder vielleicht noch nicht.
00:24:12: Und genau hier ist dann einfach diese Gemeinsamkeit, dass dieses Verständnis nicht über einen längeren Prozess gewachsen ist, sondern dass es einfach irgendwie neue Konzepte sind und dadurch das dann die Familien migriert sind nach Deutschland oder nach Österreich.
00:24:30: Dass dann einfach ein Spannungsfeld entsteht zwischen der Heimat der Eltern und dem Umfeld in dem sie die Personen groß geworden sind.
00:24:41: Es ist glaube ich ein bisschen verwirrend von welchen Personen nicht spreche aber stell bitte immer eine Frage wenn ich den wenig den Fokus verliere
00:24:50: Paul in Orten und ich glaube, da konnte man ganz gut folgen.
00:24:53: Na also einfach nochmal zum Wiederholen es geht ja dir ging's ja auch um die zweite Generation.
00:25:00: das heißt mindestens einen Elternteil ist auf dem Kontinent Asien geboren aufgewachsen Und die Personen die du interviewt hast Die sind dann hier Deutschland Österreich groß geworden Hier sozialisiert worden und befinden sich allein durch die biografische Geschichte, ja irgendwie zwischen den Kulturen.
00:25:24: und dieses irgendwie zwischen dem Kulturen hast du ja auch abgefragt.
00:25:29: Ich meine unser Interview ist ein bisschen her.
00:25:31: ich kann jetzt nicht mehr in Detail herauszaubern was du mich gefragt hast das weißt du wahrscheinlich deutlich besser als ich aber der muss doch mal mit in die Interviews.
00:25:44: natürlich nicht personenbezogen, außer bei mir haben wir schon abgesprochen.
00:25:48: über mich und die Sachen, die ich so geantwortet habe kannst du total gerne sprechen.
00:25:52: Wahrscheinlich bin ich selber überrascht und neugierig was da so bei mir rausgekommen ist und wo du das so einordnest.
00:25:59: aber genau was waren so deine Fragen und deine Intentionen?
00:26:06: Die du da in den interviews hattest.
00:26:11: ja also erst mal war es natürlich wichtig abzuklären, dass diese Person auch keine Symptome hat.
00:26:17: Dass sie aber eine PTPS-Diagnose hat.
00:26:19: Ich hab auch immer noch mal gerne ein Vorgespräch geführt um auch ein bisschen reinzuspüren
00:26:24: ob
00:26:24: dieses Interview dieser Person gerade auch zumutbar ist und da war es mir dann auch sehr wichtig das ich nicht genau nachfrage was genau hat die PTPS denn ausgelöst?
00:26:37: Und auch das waren Nichtthema meiner Interviews kann man eben sagen, ein Mangel an meiner Arbeit.
00:26:44: Natürlich kann man das nicht vergleichen, wenn es ein Kindheitstrauma ist oder ob das im Erwachsenenalter entstanden ist.
00:26:52: und trotzdem war eigentlich der große Fokus einmal wie die Person selbst diese Diagnose verarbeitet, wie sie die aufnimmt und dann wie das Umfeld die Diagnase aufnimmt oder aufgenommen hat.
00:27:08: Und bei der eigenen Wahrnehmung Da ging es gar nicht auch direkt darum, was mir die Person sagt.
00:27:14: Ich hab schon gefragt, ist das eine Entlastung oder eine Belastung diese Diagnose zu haben?
00:27:20: Und da kamen oft die Antworten eigentlich beides.
00:27:23: Also irgendwie ist es belastend mit einer Diagnase diagnostiziert zu werden und zu wissen okay ich bin krank.
00:27:32: Und andererseits auch entlastet zu wissen, dass ist nicht mein Charakter sondern da ist wirklich etwas Schlimmes passiert und deswegen reagiert meinen Körper jetzt so Und es ermöglicht dann ja auch den Zugang zu Ressourcen.
00:27:43: Danach kann man sich auch eine Therapie suchen oder mit Medikamenten gegen gewisse Symptome handeln.
00:27:51: Also das war ein ganz wichtiger Punkt, aber nicht nur was Sie mir antworten sondern auch welche Wörter sie benutzen.
00:27:58: also spreche ich von Ja da bin ich in ein tiefes Loch gefallen.
00:28:04: oder sage ich ja ich bin bisschen Gaga gewesen und Glücklicherweise waren es auch alles Interviews, die waren sehr locker.
00:28:12: Wir konnten da wirklich schön und menschlich miteinander sprechen, dass ich das Gefühl hatte, relativ ehrliche Einblicke zu bekommen.
00:28:20: Da war's dann eben schon super spannend.
00:28:23: was für Wörter werden genutzt oder wie wird über andere gesprochen?
00:28:29: Wenn eine Person erzählt, dass sie in einer Psychiatrie war und festgestellt hat Hilfe wo bin ich hier?
00:28:35: Ich bin noch nicht verrückt!
00:28:37: Und auch da erfahre ich sehr viel über das, wie man gelernt hat oder was man vielleicht denkt.
00:28:44: Über psychiatrische Anstalten, über psychische Erkrankungen generell, über diese Behandlungsmethoden.
00:28:51: Also das war dann wirklich sehr spannend zu erfahren, wie die Person selbst zu dem gesamten Konzept und dann auch zur eigenen Diagnose steht.
00:29:02: Und Magst du uns ein paar Ergebnisse?
00:29:08: mitgeben.
00:29:09: Das haben wir noch gar nicht gesagt, aber deine Arbeit ist ja öffentlich einsehbar und wir packen den Link auf jeden Fall in die Show Notes, in die Folgenbeschreibung.
00:29:16: wer jetzt irgendwie schon während wir sprechen oder am Ende unseres Gesprächs denkt das war jetzt aber nur so einen Trailer.
00:29:24: ich will den ganzen Rest.
00:29:26: es lohnt sich.
00:29:27: also ich habe es leider noch nicht geschafft sie komplett durchzulesen aber ich habe schon rüber gescrollt und bin immer mal hängen geblieben an Kapiteln wo ich dachte Oh, wie spannend!
00:29:37: Also wer näher reinschauen mag große Einladung auf den Link klicken.
00:29:42: Lisa's Arbeit könnt ihr euch reinziehen.
00:29:46: Deswegen gehen wir auch in ihrem Markt schon auch beim Zuhören.
00:29:49: Wir gehen jetzt nicht komplett ins wissenschaftliche Rhein-Nörden rein ja?
00:29:53: Wir konnten natürlich noch viel mehr über den Aufbau der Arbeit und die Methodik und Methodenkritik usw.
00:29:59: sprechen aber wir haben uns im Vorfeld darauf geeinigt dass Wir euch, die hier zuhören, gerne Inhalte mitgeben wollen.
00:30:08: Und die, die wissenschafts-nerd sind, lesen dann eh noch mal die Arbeit und gucken da genauer rein.
00:30:13: Deswegen so ... Die Frage an dich Lisa?
00:30:16: Was sind so Insights, die du da jetzt rausgenommen hast als ... Ah, spannend entweder für dich persönlich oder auch als Ergebnisse deiner Arbeit.
00:30:26: also... Du hast ja gesagt wie haben denn die Betroffenen oder deinen Interviewpartner Wir haben sie dann über die Diagnose gesprochen oder auch ihr Umfeld?
00:30:38: Ich fand es besonders spannend, über das Umfeld zu sprechen.
00:30:42: Weil hier ... Die Lebensrealitäten waren ganz unterschiedlich und trotzdem habe ich relativ viele Parallelen erlebt.
00:30:52: Da ging es vor allem sehr viel darum, hast du mit deinen Eltern darüber gesprochen?
00:30:57: Und wenn ja, wie war das?
00:30:59: Viele haben mir rückgemeldet.
00:31:02: Sie haben gar nicht mit den Eltern drüber gesprochen.
00:31:05: Und andere haben auch gesagt, ja aber ich habe es irgendwie so ein bisschen abgemildert.
00:31:11: Ich hab gesagt, ich habe eine Depressionskrankheit oder ich hab eine Erkrankung und hier konnte ich auch gut nochmal ein bisschen nachfragen warum hast du's nicht erzählt?
00:31:21: Oder warum hast Du vielleicht nur einen wenig erzählt?
00:31:26: manchmal ein wenig die sprachliche Barriere, aber meistens vor allem auch eine Verständnisbarriere.
00:31:32: Also dass einfach das Konzept PTBS so einfach nicht existiert und nicht funktioniert.
00:31:40: Und ich meine bei uns in Deutschland würde ich jetzt sagen ist die Erkrankung soweit gut bekannt wird aber leider trotzdem noch oft irgendwie als Kriegskrankheit abgetan.
00:31:51: also manche Leute Urteilen vielleicht darüber ist das Geschehene wirklich so schlimm, dass man deswegen eine PTBS entwickelt.
00:31:59: Aber es gibt dann leider doch auch Personen und auch zum Teil eben mit migrierten Familien die mit dem Konzept eigentlich gar nichts anfangen können und die dann z.T.
00:32:10: auch sagen aber... In diesem Land, in das wir jetzt gekommen sind geht es uns doch viel besser als in der Heimat.
00:32:18: Und dann wird dein wenig abgesprochen wie kannst du denn überhaupt krank sein wenn wir soviel für dich getan haben unsere Heimat verlassen haben und jetzt ein gutes Leben führen?
00:32:27: hier ist es doch gut und da kommt dann so einen Twist rein der vielleicht auch nochmal ganz anders ist zu Menschen ohne eine Migrationsgeschichte, denn ich bin mir auch ganz sicher es gibt viele Menschen leider die auch hier mit ihren Eltern oder mit Familienangehörigen vielleicht nicht gut über Diagnosen und Erkrankungen sprechen können.
00:32:47: Und da kommt dann eben doch noch eine zweite Dimension hinzu durch die Migrationserfahrung und dadurch dass die Eltern eigentlich immer den die Heimat verlassen haben, mit dem Wunsch ein besseres Leben zu führen.
00:33:02: Ein mehr Geld zu haben, ein sicheres Lebensumfeld zu
00:33:06: haben.".
00:33:07: Ich hatte eben auch eine Interviewperson, die mir erzählt hat, dass zum Beispiel ihre Cousinen-Cousins in Vietnam zum Teil das Konzept von Depression schon kennen und dass es wohl auch schon angekommen ist dort.
00:33:21: Und das ist aber ein Trend, der erst in den letzten Jahren vielleicht auch Jahrzehnten passiert ist.
00:33:26: Den aber die Elterngeneration selbst nicht miterlebt hat.
00:33:30: Ich weiß noch nicht mehr genau wann Die älteren Generation migriert ist ungefähr in den neunzigern und die haben quasi den Wissenstand und die werte aus der zeit Aus der sie die heimat verlassen haben.
00:33:43: die haben sie mitgenommen In das neue land und in dem fall wahrscheinlich deutschland.
00:33:49: Dann sind sie in Deutschland und alles ist irgendwie anders.
00:33:53: Also, die Sprache ist anders auch das Schulsystem funktioniert anders es gibt andere soziale Regeln Und vielleicht noch andere Sachen, die der Arzt einem sagt Denn ich weiß ja nur davon dass ich jetzt in Österreich lebe.
00:34:07: Es gibt Medikamente da sagen Sie mir Das gibts in Österreich nicht, das wird nun Deutschland vertrieben Und dabei ist es ja EU und gleiche Sprache usw.
00:34:15: Aber ich musste feststellen, dass sich manche Medikamenten nicht bekommen habe, zum Beispiel.
00:34:22: Und da ist es dann natürlich nochmal eine viel größere Dimension mit zu einer anderen Zeit und in einen anderen Kontinent zu reisen.
00:34:31: Dann sind auf einmal die Medikamente anders, die Diagnosen auf dem Papier vielleicht auch anders – was wurde nicht ganz hinterfragt?
00:34:39: Sondern dann ist das halt hier anders!
00:34:42: Und da entsteht so ein gewisser, abgeschotteter Raum von eben vor allem migrierten Familien die aktuellen Veränderungen aus dem Heimatland so nicht miterleben weil sie nicht dort sind.
00:34:55: Aber auch gleichzeitig in dem Ankunftsland auch nicht bei allen Trends und allen Veränderung sofort automatisch überall mit dabei sind.
00:35:07: Das war dann eine ganz spannende ... Ein ganz spannendes Thema, weil viele Personen von meinen Interviews einfach berichtet haben, dass es sehr schwierig ist mit den Eltern darüber zu sprechen.
00:35:21: Oder es zum Teil auch bewusst vermieden wurde aus Angst oder aus Sorge, dass die Familie einen verstoßen könnte und sich dafür schämen würde, dass sie das verstecken und verheimlichen möchte sowieso gar nicht erzählt wurde.
00:35:41: Es gab eine Person von allen Befragten, die aber auch berichtet hat, dass sich die Beziehung dadurch mit den Eltern ein wenig verbessert hat, das es sie ein wenig zusammengeschweißt hat durch eine schwierige Zeit gemeinsam hindurch zu gehen und sich da gut auszutauschen.
00:35:58: Also auch da sieht man, es kann nicht alles poschalisiert werden und es gibt vielleicht auch jetzt Zuhörende ohne Migrationserfahrungen, die auch trotzdem bei vielen Dingen ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
00:36:12: Und dennoch ist im Großen und Ganzen diese Tendenz dazu, dass die PTPS-Diagnose so einfach nicht für alle Elterngenerationen verständlich ist vor allem nicht für die, die sowieso schon mit sprachlichen und kulturellen Hürden nicht alles so gut vielleicht verstehen
00:36:32: können.".
00:36:35: Voll.
00:36:36: Und was du gerade beschrieben hast, hat bei mir grad auch noch mal so ein Bild aufgemacht zu dieses Boja-Stimm.
00:36:43: Die Elterngenerationen, die lebt ja quasi in so einer Konserve.
00:36:48: Also jetzt grade mein Beispiel meiner Eltern sind Anfang der Neunziger nach Deutschland gekommen und waren vorher noch in Tschechien also seit Mitte Ende der Achtziger eigentlich nicht mehr nie im Heimatland gewesen natürlich zur Besuch und so.
00:37:02: aber das ist für sie.
00:37:04: Die haben halt das aus der Zeit mitgenommen und sind in Deutschland natürlich nicht in dem Tempo mitgewachsen, in dem die Rest der Family und ihrer Friends in Vietnam mitgewachsen sind an Kultur.
00:37:17: Weil sie hier in Deutschland mit ganz anderen Dingen beschäftigt waren – neue Sprache lernen, Existenz aufbauen, Kinder in einem fremden Land großziehen... die ja einfach sich ganz anders entwickelt haben.
00:37:29: und ich sage mal auch ihr Weltbild, das ja über die Muttersprache erstark abgebildet ist.
00:37:36: Einfach... Und hier muss man es ganz daher sagen in Anführungsstrichen veraltet ist beziehungsweise veraltet für mich so eine Wertung.
00:37:43: Ich finde bei mir ist gerade ein Bild von so einer Konserve aufgetaucht, dass sie quasi so eine konservierte Version der viennamesischen Kultur der Achtziger und Neunziger in sich tragen Und dabei gibt es die einfach nicht mehr.
00:37:58: Also, so wie sie sich auf die Welt schauen – die gibt's halt in Vietnam nicht mehr!
00:38:03: Weil die einfach dreißig, fünfundreißig Jahre weitergegangen sind aber eben ohne meine Eltern.
00:38:09: und es gibt ein ganz kleines Story, das mich bis heute wirklich zum Lachen bringt, wo ich immer wieder merke am Thema Sprache und Worte.
00:38:23: Meine Schwestern, ich spreche ja alle vietnamesisch.
00:38:25: Aber eben nur das, was unsere Eltern uns beigebracht haben.
00:38:28: Das heißt wir sprechen einen vietnamesisch aus den Achtzigern und Neunzigern... ...und benutzen dann Worte!
00:38:35: Und beim letzten Besuch bei der Family in Vietnam wollte meine Schwester halt Leidungs- also so Wasser.
00:38:42: Also weißes Wasser, ne?
00:38:44: Was wir hier Trinkwasser nennen würden.
00:38:46: oder in Deutschland wird man sich Leitungswasser holen.
00:38:49: Ja, ich hätte gerne einfach nur Wasser Und die haben mal einen angeguckt, weil wir so ein altes Wort genutzt haben.
00:38:56: Dass quasi heute nicht mehr benutzt wird und das würde übersetzt sowas... Ich möchte bitte das letzte ranzige Wasser da hinten aus diesem Rohr bitte!
00:39:06: Und die waren so sicher dass du das möchtest?
00:39:10: Wir haben auch gutes Wasser!
00:39:14: Und es ist so'n Ding von Aya-Kras.
00:39:18: unsere Eltern leben in der Konserve und wir irgendwie in Teilen mit.
00:39:21: Und umso mehr ist klar, dass da eine Sprache fehlt.
00:39:26: also nicht nur das vielleicht auch grundsätzlich ne Sprachbarriere da ist weil die Eltern nicht gut genug Deutsch sprechen und man selber nicht gut genug die Sprache der Eltern spricht.
00:39:36: aber dann innerhalb dieser Konserve auch noch das Konzept für psychische Erkrankungen hier speziell PDBS fehlt ja und dann bestellt man halt Das letzte Furfi-Wasser da hinten aus dem Rohr, das niemand mehr angeguckt hat seit dreißig Jahren.
00:39:56: Ja urspannend ist es auch... Also es ist schön dass es so lustig sein darf weil es ja auch was die Identität angeht oder das Selbstverständnis.
00:40:07: Ich habe das zwar nicht explizit mitgefragt also schon auch wie verstehst du dich als Deutsch oder als Nichtdeutsch?
00:40:12: Aber an sich ging es eher um die Wahrnehmung der PTS in diesem Spannungsfeld.
00:40:17: Aber auch da ist es ja ganz spannend, weil meine Mama zum Beispiel kommt aus China und sie versteht sich als Chinesen.
00:40:23: Punkt!
00:40:24: Dabei immer wenn wir zu Besuch sind, versteht sie überhaupt nicht was gerade passiert?
00:40:29: Weil sich alles so krass verändert hat und sie sagt doch das gefällt ihr gar nicht und die Stadt ist viel zu groß und viel zu laut aber das ändert ja nichts an ihrer Identität.
00:40:39: Und die zweite Generation hat dabei viel, viel schwierigere Probleme.
00:40:43: Viel mehr Probleme zu sagen.
00:40:46: okay ich reise in das Heimatland meiner Eltern und fühle mich dort fremd.
00:40:50: aber im Land in dem ich groß werde fühle ich mich auch nicht ein hundert Prozent angenommen von der Gesellschaft und auch dass ist oft ein Problem was die Elterngeneration gar nicht nachvollziehen kann.
00:41:00: also versteht die Frage nicht naja wenn du hier geboren bist bis du deutsche fertig Zum Beispiel.
00:41:07: Also auch da sind dann Themen, wo es sich auch wirklich lohnt zu unterscheiden ob es jetzt um die migrierte Person selbst geht oder doch einfach um die nachfolgende Kindergeneration und vielleicht andere Personen die in dem Umfeld sozialisiert worden sind.
00:41:24: Ja voll!
00:41:26: Ja ich sag mal genau bei Story of Our Life.
00:41:30: Also in Deutschland sind wir irgendwie die Asiatinnen, die Chinesen, die Vietnamesien und in Vietnam sind halt die Deutschen.
00:41:38: also habe ich auf jeden Fall Anfang meiner Zwanziger sehr viel mit gestruggelt.
00:41:44: so ja wer bin ich denn wenn du überall Otherring erfährst?
00:41:48: Überall bist du die andere und denkst so Hä?
00:41:50: Aber wo denn dann?
00:41:51: Und da finde ich es so schön.
00:41:54: Da kommen wir jetzt vom Thema ab, aber ich mache den Punkt gerade noch.
00:41:57: Communities zu finden, wo man eben nicht ... anders ist, sondern wo eben andere die gleiche oder eine ähnliche Erfahrung gemacht haben.
00:42:06: Und jetzt zum Beispiel beim Thema Identität.
00:42:09: Migration ist da... also in der Gruppe habe ich auch deinen Aufruf gelesen, ne?
00:42:14: In der Deutsch-Asiat-Innengruppe.
00:42:16: Da haben wir eine große Telegram-Gruppe mit mehreren hundert Menschen mittlerweile, wo einfach klar ist okay, um diese Menschen.
00:42:24: wenn ich jetzt im Alltag irgendwo eine Mikroaggression erlebe, antiasiatischen Rassismus und so weiter.
00:42:32: Dann kann ich das da teilen und werde da verstanden und kriege ganz viel Mitgefühl oder auch Strategien wie man damit umgehen kann versus in meinem also tatsächlich bei mir zum Beispiel meinen hauptsächlich weißen Freundeskreis krieg vielleicht erstmal irritierte Blicke.
00:42:48: selbst wenn Menschen aufgeklärt sind und offen sind und da sein wollen braucht es erst mal sehr viel Anlauf überhaupt zu erklären, wo da eigentlich gerade das Problem ist oder warum ich da gerade Schwierigkeiten mit habe.
00:43:01: Oder jetzt mache ich noch einen Punkt zum Thema Trauma.
00:43:03: so ne?
00:43:03: Also eine Peer Group zu finden, eine Selbsthilfegruppe oder wie bei uns die Survivorqueen Community unseren Traumasensiblen Adventskalender im Dezember also Orte zu finden wo man Nicht komisch und nicht die anderen Aliens ist, sondern wo alle zusammen mit einem Alien sind.
00:43:24: Und das macht was?
00:43:26: Das brauchen unsere Nervensysteme so das Gefühl von Zugehörigkeit.
00:43:33: Ja sehr schön!
00:43:34: Ich kann damit schon nach einem Übergang machen zu meiner Arbeit.
00:43:37: Danke!
00:43:38: Denn eines der großen Kernergebnisse war auch... wie man zur PTPS-Diagnose steht und wie man die selbst mit sich ausmacht, dass das kein feststehendes Ergebnis ist.
00:43:50: Dass man sagt okay ich habe eine Diagnose und ich gehe damit so und so um.
00:43:55: Sondern es ist ein Aushandlungsgegenstand der sich je nach Umfeld auch anpasst.
00:44:01: Das heißt wenn man dann in der Familie ist wo man vielleicht auch ein wenig mit Charme konfrontiert wird... Und auch um das nochmal im Hintergrund einzordnen In manchen Kulturen, in manchen Familien wird das auch ganz oft so gesehen, dass das Kind quasi als Erweiterung der Eltern gesehen wird.
00:44:20: Dass eine Familie ein großes Ganzes ist und nicht aus vielen einzelnen Individuen besteht, sondern alle zusammengehören.
00:44:27: Wenn das Kind jetzt aber eine Diagnose hat, dann ist es für die ganze Familie, dass sie krank ist, dass die Angst haben vielleicht ihre soziale Stellung zu verlieren oder auch, dass die Familie Angst hat das es auf sie zurückzuführen ist.
00:44:44: Dass es vielleicht manchmal sogar wirklich ist aber nicht immer.
00:44:47: Dass dann die Familie angst hat.
00:44:51: ja alle anderen denken jetzt wir haben unser Kind nicht gut behandelt Wir haben ihm nicht gegeben was es braucht und dass da oft auch eine gewisse Scham vorhanden ist Oder auch ein Unwissen.
00:45:04: also es setzt sich meist aus verschiedenen Komponenten zusammen Und dass dort die Personen, die ich befragt habe eben auch ganz eigene Herangehensweisen haben.
00:45:13: Manche sagen ... Ich kann mit meiner Familie drüber reden, aber ich nenne es Depressionskrankheit.
00:45:19: Weil das vielleicht besser verstanden wird, weil das Konzept an der Depression schon verstanden ist.
00:45:26: und andere sagen, es macht keinen Sinn mit meinen Eltern.
00:45:29: Ich werde sie einfach verheimlichen!
00:45:33: Und die Anschauung, also wie die PTPS-Diagnose aber auch selbst wahrgenommen wird ändert sich in anderen Kontexten.
00:45:40: Also vor allem im medizinischen Kontext habe ich erlebt dass die Personen es meist im ersten Moment sehr belastend empfunden haben das diese Diagnose real ist, dass diese Beschwerden die man vielleicht irgendwie klein geredet hat wo man das immer irgendwie vor sich weggeschoben hat dass sie wirklich da sind.
00:46:00: Und in der zweiten Instanz haben die Personen es aber meistens als befreiend erlebt, dass sie jetzt endlich handeln können.
00:46:07: Dass sie eben eine passende Therapie suchen können.
00:46:11: Das Sie sich mit Piers darüber austauschen können und das sie aber auch in gewissermaßen einer Anerkennung für ihr Leiden bekommen.
00:46:19: Denn die Krankheit zu verheimlichen ... Also die Diagnose zu verheimlichen ist das eine.
00:46:23: Aber auch die Symptome und die Dinge, die einen belasten, zu tun müsste, als wäre das alles gar nicht so.
00:46:30: Das ist ja auch noch mal eine andere Dimension in der man sich selbst das gar nicht eingesteht und es sich nicht selbst erlaubt krank zu sein oder einfach zu leiden und Schwierigkeiten zu haben was auch normal und vollkommen in Ordnung ist.
00:46:45: Und dass es eben auch ein Aushandlungsprozess da immer einmal in die einen oder in die andere Richtung geht, der kann sich mit der Zeit ändern Und ich fand es ganz spannend.
00:46:58: Ich hatte mal mit Freunden über das Ergebnis gesprochen und dann hat er mich ein Studienfreund gefragt, also bedeutet das in der Familie wird die Diagnose immer stigmatisiert?
00:47:08: Und außerhalb der Familie, wird sie immer anerkannt?
00:47:13: Das klingt schon auf den ersten Moment so!
00:47:16: Irgendwie ja aber insofern dass die Familie, die migriert ist in ein System migriert ist, das sie aber so nicht richtig aufgenommen hat.
00:47:26: Dass ihnen so nicht verständlich gemacht wurde.
00:47:29: und da gibt es glücklicherweise auch Angebote beispielsweise in Berlin oder der Charité.
00:47:35: Da gibt es auch viele mehr sprachige Angebote.
00:47:37: Und da kann es auch wirklich ein Segen sein wenn ein Arzt die Dinge noch mal erklärt.
00:47:45: Und hier geht es nicht nur um das Sprachliche, ich kann auch in Chatchapity reintippen und sagen übersetzt mir das, sondern es geht auch darum, das kulturell zu verstehen.
00:47:55: Hier ist es so unglaublich wichtig dass man auch kultursensibel arbeitet und das Ganze auch versteht und annimmt.
00:48:04: Da ist ganz spannend, es gibt wohl viele Personen bei den Eltern psychische Erkrankungen oder psychische Leiden vermuten, die sich aber auch die Eltern nicht eingestehen können.
00:48:15: Oder wollen und da ist auch wieder so eine sprachliche und kulturelle Barriere.
00:48:23: Wie wird denn über leiden gesprochen?
00:48:25: Und wie nehme ich das auf?
00:48:26: und es gibt vielleicht auch Personen die sagen Ich bin so müde!
00:48:30: Ich bin somüde und die Müdigkeit ist aber vielleicht eigentlich eine chronische Erschöpfung oder eine innere Lehre Die aber anders nicht ausgedrückt werden kann.
00:48:38: Und das ist je nach Sprache und je nach Kulturkreis vielleicht auch ... Vielleicht wird es so verstanden.
00:48:45: Das Wort Erschöpfung, wer sagt, dass das mit einer psychischen Erkrankung zu tun hat?
00:48:51: Müdigkeit einfach nur eine körperliche Müdigkeit oder so bedeutet also... Ja, das kommt natürlich immer ganz drauf an, mit wem man spricht und in welchem Kontext man spricht.
00:49:02: Hier gibt es diesen Aushandlungsgegenstand und diese Umfelder die unglaublich vielfältig sind.
00:49:11: Und ich habe aber, und da bin ich unglaublich dankbar mit so vielen Menschen gesprochen, die auch sehr reflektiert sind, die da sehr viel über sich und ihre Familie schon nachgedacht und erzählt haben.
00:49:23: Ich hoffe auch sehr, dass es eben auch Menschen vielleicht ein paar Einblicke gibt, die das so vielleicht noch nicht gesehen haben, die sich damit vielleicht noch nie beschäftigt haben?
00:49:36: Hm ... glaub ich auf jeden Fall!
00:49:42: Du hast halt auch einfach ganz, ganz viele unterschiedliche Komponenten.
00:49:46: Also ich könnte schon wieder überall rein... Ich versuche mal eine davon gerade aufzugreifen, nämlich genau dieses Kultursensiblem.
00:49:54: Du sprachst ja auch vorhin davon, Diagnose bedeutet ja auch erstmal Zugang zu Ressourcen weil ohne Diagnosis zumindest in Deutschland kriegt man keine Therapie von einer Krankenkasse bezahlt.
00:50:06: also du brauchst diesen Diagnoseschlüssel den Code.
00:50:10: okay da hat jetzt jemand der PDPS ne Depression or whatever um überhaupt Therapiebezahl zu bekommen.
00:50:16: so das ist ja erst einmal was cooles.
00:50:18: und dann sind aber der Frage, hast die Therapie überhaupt zu mir?
00:50:22: Wenn wir bei dem Thema Kultursensibel sind.
00:50:24: Und das ist was ich gerade vermehrt erlebe und wo ich ehrlich gesagt auch immer mal überlege ob ich mich da... mit der Mieselstämmige Traumotherapeutin, da mal ein bisschen mehr Aufklärungs- und Arbeit- und Wissen dazu in die Welt tragen kann und möchte.
00:50:45: Das steht aber irgendwo auf meiner Maybe One Day Liste.
00:50:49: Aber was ich sagen möchte... Ich erlebe immer mehr dass Menschen gerade aus dem in Anführungsstrichen asiatischen Umfeld erleben das sie sich gar nicht so wohl und so gesehen fühlen bei weißen Therapeutinnen, die nicht sich weiter mit Kultur beschäftigt haben.
00:51:13: Dass bei mir immer mehr Menschen landen, die ganz bewusst mich als Therapeutin, als Coach, als Beraterin sich ausgewählt haben weil sie sagen ich glaube ohne dass ich jetzt viel von dir weiß dass du mich deutlich besser verstehen wirst und das ich mir zehn bis zwanzig Minuten Education für dich ersparen kann.
00:51:41: Also, dass wirklich Menschen bei mir sitzen und sagen also gerade die ersten Stunden irgendwie so Boah, das ist so krass, dass ich das jetzt einfach nur erzählen kann frei von der Leber und du mich verstehst.
00:51:51: Und du nägst und sagst ja klar!
00:51:54: Das ist jetzt Teil der Kultur, das is jetzt doof.
00:51:57: Und wo vorher teilweise mehrere weiße Tharapäutinnen erstmal bewussten das Problem?
00:52:06: Ja brechen sie doch einfach den Kontakt zu ihrer Familie ab?
00:52:10: So...ja und da sind wir bei einem anderen Thema.
00:52:14: Eigentlich sprechen wir heute über Diagnostik, aber ich mag noch das Thema was ja damit zusammenhängt reinbringen.
00:52:19: Diagnostic und auf der anderen Seite die Therapie auch die Therapien und die Therapiausbildungen.
00:52:26: Fortbildungen Auch diese sind unglaublich weiß geprägt.
00:52:30: da sind wir wieder beim Thema Machtkritisch.
00:52:33: Der Großteil meiner TherapeutInnen war weiß Und auch die die nicht weiß waren haben eher weiße Inhalte vermittelt.
00:52:43: Und das ist keine Kritik in Sinne von, oh Gott, weiß es ganz schlimm!
00:52:47: Aber da ist ein Ding von auch ich habe gelernt – in meiner Traumotherapie-Ausbildung hab' ich eine weißen Blickwinkel auf.
00:53:00: wie geht man an Probleme ran?
00:53:03: Nur weil ich als Privatperson noch einen Blick Kollektivistische Kulturen habe ist mir klar, am Moment ein Kontaktabbruch innerhalb einer kollektivisten Kultur hat ganz andere Folgen und hängt ganz anders mit uns als Personen unserer Identität zusammen als bei den Menschen der innerindividualistischen Kultur.
00:53:30: komplett nur dort aufgewachsen ist und gelernt hat, ja ich bin eine eigenständige Person.
00:53:35: Ich habe eine eigene Identität.
00:53:36: Ich hab ein eigenes Leben.
00:53:37: wenn die anderen doof sind brecht den Kontakt ab.
00:53:39: Ich brauche keine Familie
00:53:40: usw.,
00:53:41: aber es ist einfach was ganz ganz anderes um dann zu sehen Aja krass!
00:53:46: Und damit sind auch die Lösungsansätze die Therapeutinnen reinbringen und die sie für selbstverständlich nach.
00:53:53: das ist Die Lösung.
00:53:53: brechen sie doch den Kontakt Ab.
00:53:55: und Wenn Sie das nicht machen wollen na Ja Dann Ist meine Klientin Leider Therapie Resistent.
00:54:00: Woah, wait a minute.
00:54:03: Ja es ist auch vor allem... Es geht ja um das Verständnis, dass einfach da ist und wenn die Person es sogar erklären kann dann ist es ja sogar super gut.
00:54:12: Wenn man sagen kann nein in meiner Familie funktioniert das leider nicht weil es gibt viel zu oft auch eine Situation in der man merkt ich werde gerade nicht verstanden aber selber nicht weiß warum eigentlich nicht.
00:54:24: also ich denke so an meinen ersten Kontakt mit Psychotherapie.
00:54:28: da war ich sechzehn oder siebzehn Und da wurde ich dann auch gefragt, na ja, aber deine Mutter kommt aus einem anderen Land.
00:54:35: Hat das vielleicht was damit zu tun?
00:54:37: Und ich war damals so ... weiß ich doch nicht!
00:54:41: Keine Ahnung!
00:54:42: Also woher soll ich das denn wissen?
00:54:44: Ich hab ja nicht sozial- ... irgendwie Soziologie studiert in diesem Land und im Anderen und kann deswegen jedes Verhalten und irgendwie jede ... vor allem niederschwellige, jeder niederschwälligen Ausdruck so verstehen.
00:55:00: Und ich erinnere mich auch noch an das Interview mit dir und für die Masterarbeit weil du auch oft gesagt hattest naja ich bin der Fisch im Wasser Ich kann es dir nicht beantworten was jetzt genau woran liegt Was ist jetzt auch der Charakter meiner Mutter?
00:55:15: Was ist ihre Sozialisierung?
00:55:17: Was is vielleicht auch irgendwie aus Stress, aus Umständen oder auch aus der sprachlichen Barriere heraus.
00:55:23: also dass verschiebt ja auch total die Verantwortung auf das eh schon kranke Individuum, sich jetzt auch noch damit zu befassen.
00:55:33: Die eigene Lebensrealität anzupassen, damit das gegenüber das versteht.
00:55:38: und es ist eine riesige Mehrarbeit, die einfach viel emotionale Arbeit und auch Ressourcen benötigt.
00:55:45: Und dass in meinem Interview alle Personen, die ich befragt habe haben einen akademischen Bildungsabschluss
00:55:53: Und ich ...
00:55:54: Ja, also es ist auch zufällig glaube ich.
00:55:57: Ich meine die Personen sind weiblich gelesen und da glaube ich kann man das auch gut damit erklären dass vor allem männliche Personen in unserem Gesundheitssystem einen schwereren Zugang haben Auch zur psychotherapeutischer Versorgung Dass es vielleicht auch weniger anerkannt wird wenn sie Hilfe suchen oder auch die Hilfe... Hilfeversuche nicht so als solche gedeutet werden.
00:56:20: Aber eben was den Bildungsabschluss angeht Da habe ich schon auch einfach die Vermutung, dass diese Personen sich auch sprachlich gut durchsetzen konnten.
00:56:29: Dass sie vielleicht auch gut verstehen konnten, Dinge analysiert haben, sich vielleicht auch eingelesen haben in ihrer Freizeit und dann auch das Hilfeangebot explizit danach raussuchen konnten oder wenn es nicht gepasst hat, besser benennen und erklären zu können Und wie du jetzt auch angesprochen hast, dass auch viele Leute sich explizit an dich wenden.
00:56:53: Auch das ist so ein Ergebnis meiner Arbeit, dass wir genau das brauchen – einen Zugang zur psychotherapeutischen Ausbildung zu Studiengängen die für alle zugänglich sind und damit auch für Menschen mit Migrationserfahrung aber auch zum Beispiel für Menschen aus socioeconomisch benachteiligten Familien weil auch die eine ganz andere Lebensrealität vielleicht... verstehen können, die auch ich als studierte Person vielleicht gar nicht nachvollziehen kann.
00:57:19: Meine Eltern haben mein Studium finanziert.
00:57:21: Ich bin unglaublich dankbar dafür und ich kann die Lebensrealität einer Person nicht ganz so gut nachvollziehend, die einfach ein ganz anderes Leben geführt hat sozusagen.
00:57:32: Ja voll!
00:57:34: Und da einfach noch ergänzt oder auch einfach Fortbildungen in kulturell... Sensibler Traumotherapie oder überhaupt wie geht denn Therapie abseits vom weißen Blickwinkel.
00:57:51: Und es macht sicherlich auch nochmal einen Unterschied, ob ich da jemand mit einem vietnamesischen Background habe?
00:57:58: Oder mit dem türkischen oder mit dem indischen.
00:58:00: und dann sind wir wieder bei dem Asia Asiatisch als umbrella term okay um mit irgendwas zu arbeiten oder als Selbstbezeichnung aber am Ende sind's ja doch wieder Kulturen mit ihren eigenen Markern.
00:58:14: Ja, meine Schwester die Kulturwissenschaftlerin ist würde jetzt wieder sagen, ah, Kultur ist aber ja nicht abgestoßen?
00:58:21: Wir können wieder über Kultur sprechen!
00:58:22: Aber na also wir brauchen und das ist mein ganz großer Wunsch und ich hoffe, dass für über den nächsten zwanzig dreißig Jahre mehr und mehr in der therapeutischen Welt auch das Thema Kultur mitdenken können.
00:58:40: Und natürlich auch eine ganz große Einladung an alle weißen Kolleginnen, die gerade so zuhören.
00:58:47: Es gibt ganz viele tolle hauptsächlich aktuell englischsprachige Ressourcen und Kolleginnen auf Instagram Reels usw.
00:58:57: machen, die mehr darüber aufklären.
00:59:02: Weil ihr weiß seid, heißt es nicht dass ihr nicht mit asiatisch gelesenen Menschen arbeiten könnt.
00:59:08: Sondern ganz im Gegenteil.
00:59:10: vielleicht ist das gerade dann die Verantwortung wenn da der erste Mensch da ist oder vielleicht auch der zehnte und ich denke irgendwie sind da ja immer Dinge so ein bisschen anders als bei meinen anderen Klientinnen da mal rein zu tauchen.
00:59:25: Da mal zu schauen, okay, wie wo kann ich mich informieren?
00:59:28: Wie kann ich eine kollektivistische Kultur besser verstehen?
00:59:34: Egal ob über Literatur... Ich weiß ehrlich gesagt von keiner Fortbildung ja, wo mehr kultursensible Therapie unterrichtet wird.
00:59:46: Kommt mal auf meine Rechercheliste!
00:59:48: Ich bin neugierig, ob man was findet.
00:59:51: Ja jetzt Habe ich gerade einmal hier Dream in das Video gemacht und ich guck mal kurz zu dir die Sache.
00:59:58: Ich habe leider auch in einem Interview so ein bisschen die gegenteilige Erfahrung gehört dass da wohl eine Therapeuten ganz übereifrig war und erzählt hat, ach ja also dann ist deine Mutter in China groß geworden unter Mao Zedong.
01:00:13: Dann war das bestimmt so-und-so.
01:00:14: Und hat dann irgendwelche Schlüsse gezogen oder Hypothesen aufgestellt wo auch die betroffene Person wieder meinte es war komplett furchtbar sie hat sich der Fehler am Platz gefühlt.
01:00:27: Sie wusste gar nicht was sie darauf antworten soll.
01:00:30: irgendwie war das dann noch mehr... Als würde es jetzt um chinesische Geschichte gehen oder so.
01:00:39: Und das ist natürlich auch noch mal wichtig, dass auch nur reines Wissen auch nichts bringt.
01:00:44: also nur im Buch gelesen haben und natürlich auch nicht um so schnell zu verallgemeinern.
01:00:49: Na gut!
01:00:50: Das ist halt eine kollektivistische Gesellschaft.
01:00:52: Na dann... Es ist immer so und so.
01:00:54: Das ist auch zu kurz gegriffen Es ist unglaublich schwierig.
01:00:58: Es ist ein riesiges Feld und es sind immer noch alles Individuen, auch die Eltern sind Individuellen.
01:01:03: wie sich das alles dann so auswirkt?
01:01:05: Das kann man nie so pauschal sagen!
01:01:08: Und trotzdem einfach ein bisschen ein Gespür dazu zu bekommen dass jede Lebensrealität anders sein kann und dass meine Codes wie ich gelernt habe welche Wörter was bedeuten welche Gestiken usw.. Dass sie einfach nicht universell gültig sind und dass es auch etwas anderes bedeuten kann.
01:01:26: Ja, voll.
01:01:28: Voll, voll wichtig.
01:01:31: Warte, warte.
01:01:32: ich hatte vorhin noch einen spannenden Punkt.
01:01:34: Ah genau!
01:01:34: Ich wollte noch aufgreifen das Thema dass die Diagnose ja sowohl verhandelbar ist als auch in Kontexten sich anders zeigen kann je nach Kontext und Umfeld.
01:01:45: Und ich finde es super spannend dass du das ja bei dir da so rausgekommen ist und raus gearbeitet hast.
01:01:51: und ich finde hilft auch noch mal sich selber anders zu verstehen, weil ich erlebe oft und jetzt gehe ich auf einen Blick-Vogelperspektive unabhängig von Ethnir usw.
01:02:06: So ah!
01:02:07: Ich kann mich in unterschiedlichen Kontext unterschiedlich verhalten und mich unterschiedlich in Anziehungsstrichen krank oder gesund fühlen und dass das nicht falsch ist.
01:02:18: Also ich erlebe dann Menschen, die sagen ja aber dann fake ich das Ja.
01:02:22: also entweder fake ich dass es mir zu gut geht oder ich fake dass ich krank bin?
01:02:27: Was bin ich denn da jetzt und das finde ich so wichtig zu verstehen, wir sind ja Wir laufen ja durch unser Leben und klar, wir sind zwar immer wie im Kern.
01:02:40: Aber je nachdem was das umfällt, um uns herum ist, welche, wie sicher wir uns dort fühlen, wie doll können wir uns zeigen oder nicht zeigen?
01:02:49: Wie doll müssen wir funktionieren?
01:02:50: Welche Ansprüche sind an uns auf der Arbeit?
01:02:53: wahrscheinlich anders als zu Hause in Jogginghose Wenn ich Kinder habe die ich versorgen muss, wahrscheinlich anders wenn die Kinder da sind versus Ich bin alleine.
01:03:01: Und dann eben im kulturellen Kontext wie bin ich mit meiner Vietnamese-Familie?
01:03:06: Wie bin ich mein deutschen
01:03:08: Friends?".
01:03:11: Das Diagnose eben nicht automatisch bedeutet, oh Gott jetzt bin ich immer so.
01:03:16: Jetzt habe ich immer Flashbacks und vermeide immer sondern... Okay, mal sind die Symptome doller.
01:03:23: Mal sind sie schwächer.
01:03:24: Mal schwäche ich sie bewusst ab um zum Beispiel nur Depression zu sagen, um zumindest meinen Eltern eine Verständnismöglichkeit zu bieten.
01:03:35: also das ist ja eigentlich auch ne sehr kluge Anpassungsleistung und mal ist es vielleicht auch doller, ne?
01:03:42: Wenn ich gerade bei meiner besten Freundin bin, bei der ich weiß.
01:03:45: Ich kann hier komplett ohne Maske sein und kann einfach auf der Couch grade bei der Tasse t zusammenbrechen und heulen.
01:03:53: Dann sieht das vielleicht in dem Moment doller aus und kann nicht auch gerade doller leben.
01:03:59: aber nichts von dieser gesamten Spanne ist falsch oder fake sondern es ist kontextabhängig und verhandelbar.
01:04:05: Und das finde ich... Ja fand ich grad total schön, weil das einen wir noch mal mit aufgreifen und unterstützen!
01:04:18: Ja, es lohnt sich auf jeden Fall in viele dieser Themen auch mehr reinzugehen.
01:04:23: Ich weiß das war jetzt wirklich nur so ein grober Überblick über die ganze Arbeit aber es freut mich auch voll weil genau das ist eigentlich so das große Ergebnis von dem Ganzen gewesen und dann in dem fall eben noch hybride Identität.
01:04:34: genauso ist meine Identität verhandelbar genauso wie ich die Diagnose verarbeite und annehme.
01:04:40: genauso kann ich auch Zugehörigkeit und Selbstbezeichnungen annehmen.
01:04:44: da denke ich auch gern an mich direkt als Deutsche verstanden und bezeichnet.
01:04:51: Und dann, ich glaube so ab dem Gymnasium ging es öfter los, dass sich Rückfragen bekommen habe über meine Herkunft, über wer ich bin, das mich das ein bisschen irritiert hat.
01:05:00: Dann hat sich das auch geändert würde ich sagen, dass ich mich mehr als chinesische-deutsche verstehe, als asiatisch verstehe.
01:05:07: Wer weiß vielleicht wird sich das in der Zukunft noch einmal ändern wie ich mich da selbst verstehe?
01:05:13: Genauso verhält es sich natürlich bei Diagnosen Wobei ich mir da denke, auch die Symptome ändern sich ja zum Teil oder vielleicht wird eine Diagnose nach ein paar Jahren noch nicht mehr gestellt.
01:05:22: Vielleicht ändert sich der Umgang über eine längere Therapie?
01:05:26: Und die Personen, die ich befragt habe – das war ja auch ein bisschen ein Kriterium – sind alle schon über eine langere Zeit symptomfrei.
01:05:33: Also möglicherweise hätten sie die Diagnosis so jetzt gar nicht mehr erhalten und es war natürlich wichtig für meine Forschung.
01:05:40: Mit Sicherheit weiß, ich kann das Interview führen ohne dass die Person dadurch retraumatisiert wird.
01:05:46: Und andererseits ist es natürlich auch nochmal eine ganz spezifische Forschungsgruppe, die gar nicht alle Betroffenen irgendwie abgreifen kann.
01:05:57: Wow!
01:05:58: Jetzt haben wir immer so einen ganz großen Ritt gemacht, Lisa.
01:06:02: Gibt es noch was, wo du sagst da möchte ich nochmal reinschauen.
01:06:06: Da möchte ich noch mal einen Spotlight draufsetzen auf den Themenbereich.
01:06:12: das haben wir noch gar nicht angesprochen Das ist dir wichtig.
01:06:17: Ich glaube das einzige was mir noch einfällt ist auch so ein bisschen was traditionelle Heilmethoden angeht dass auch die auf jeden Fall eine Wichtigkeit haben und vor allem in migrantischen Familien.
01:06:29: das hat einfach einen Stellenwert.
01:06:32: Da ist immer dieser Widerspruch zwischen Schulmedizin und traditioneller Medizin.
01:06:37: Und natürlich muss man vielleicht noch mal überprüfen, ob diese Kräutermischung jetzt wirklich gegen Nagelpilz helfen kann.
01:06:45: Aber trotzdem ist es auch unglaublich wichtig zu verstehen, dass es einfach andere Zugänge zur Gesundheit gibt.
01:06:53: Dass es eben nicht nur den einen Zugang gibt und nicht nur einen richtigen Zugang geben kann.
01:06:59: Und vor allem bei ... Migrationserfahrung, aber auch vollkommen legitim.
01:07:04: Wenn man das ohne Migrations- erfahrungen auch gerne irgendwie traditionell chinesische Medizin zum Beispiel ausprobiert oder das gerne machen möchte.
01:07:14: Denn da gibt es vor allem für verschiedene Menschen auch verschiedene Hilfsangebote.
01:07:19: also ich fand das ganz spannend.
01:07:20: Ich hatte in meiner Arbeit ein wenig recherchiert über auch Indigene in Afrika bei denen eine Krankheit eines Individuums verstanden wird als ein Krankheit der Gesellschaft.
01:07:31: Denn dadurch, dass man als eine Gruppengemeinschaft zusammengehört kann nur ein Teil der Gruppe als quasi zusammengehörig zur ganzen Gruppe krank sein.
01:07:41: Das dann auch bedeutet das die gesamte Gruppe heilen muss und gesund werden muss.
01:07:47: Und wenn man diesen Gedankengang nachvollzieht dann ist es auch logisch, dass das überhaupt keinen Sinn macht an zu sagen, wenn diese Person eine psychische Erkrankung hat.
01:07:58: Dann sollte sie ein Gespräch, eine Gesprächstherapie machen und Psychopharmaka nehmen.
01:08:03: Denn da ist ja der gesamte Hintergrund ... die gesamte Gruppe müsste mitbehandelt werden oder die gesamten Gruppe ist krank Und es gibt quasi nicht dieses eine Individuum, hat eine individuelle Erkrankung, die nur im Körper und nur im Geiste von dieser Person quasi stattfindet.
01:08:21: Und da gibt es unzählige verschiedene Beispiele.
01:08:25: Es ist super spannend und eben auch bei der Wissenschaft finde ich's so wichtig,
01:08:30: auch
01:08:31: verschiedene Wissenschaften anzuerkennen also auch zu sagen was in einem anderen Land geforscht wurde mit anderen Forschungsmaßstäben.
01:08:42: möglicherweise kann auch unglaublich viel Aufschluss geben für die Personen vor Ort Also auch nicht nur den wissenschaftlichen Standards und auch die wissenschaftliche Sprache, die ich jetzt an der Universität Wien benutzt habe.
01:08:56: Heißt ja nicht dass sie irgendwie mehr wert wären als irgendwelche wissenschaftlich Standards in einer chinesischen Universität zum Beispiel aber es ist halt anders.
01:09:05: Ja voll!
01:09:07: Ich muss grad ein bisschen schmunzeln bei traditionellen Methoden dieses Fläschchen mit grünem Öl was so
01:09:15: abartig
01:09:16: penetrant nahe Pfefferminz, eure Kollektus riecht.
01:09:21: Egal was immer draufschmieren, immer drauf schmiert bei
01:09:24: allem!
01:09:28: Ja und wenn du jetzt auf deine Arbeit drauf schaust im Rückblick Lisa... Was hat sie mit dir persönlich gemacht?
01:09:38: Das ist ja auch eine ganz persönliche Reise, die du da gegangen bist von der Idee hin zur Planung Umsetzung.
01:09:47: Durchführungen der sehr persönlichen und emotionalen Gespräche, die Aufarbeitung danach wieder mehr ins Kognitive gehen, ins Kudieren und aufarbeiten, verteidigen der Arbeit und dann die Abgabe so... Wie war die Reise für dich?
01:10:08: Also allein im Erstellungsprozess habe ich auch oft überlegt, ob ich das wirklich machen möchte.
01:10:14: Und hab mich schon hinterfragt ist es richtig und ist es sinnvoll für mich auch über ein Thema zu schreiben was mich auch sehr betrifft und hab dann noch überlegt ob ich vielleicht über eine andere Personengruppe schreibe oder geflüchtete Menschen schrei be und dachte mir aber dass genau diese Asiatische Diaspora oft ein wenig zu kurz kommt in der Forschung.
01:10:39: Ich habe dann auch ein bisschen recherchiert über den Model Minority Mythos, der in den USA entwickelt wurde das asiatische MigrantInnen und hier waren ostasiatische Personen gemeint dass sie ja oft als gut integriert galten die sich wirtschaftlich gut verwertet haben die sich oft gut angepasst haben an vorherrschende Werte.
01:11:03: positive Vorurteile sind nach wie vor Vorurteil.
01:11:07: Aber oft wird natürlich gesagt, ja aber als asiatische Migrantin erlebe ich ja weniger oder auch anderen Rassismus als eine muslimische Frau, als eine Frau die ein Kopftuch trägt, als schwarze Frau.
01:11:21: und das stimmt natürlich.
01:11:23: und nichtsdestotrotz ist es immer noch reale rassistisch und ausgrenzende Dinge, die ich erlebe in meinem Alltag Und habe mich deswegen auch dazu entschieden, über genau meine Betroffenheit zu sprechen.
01:11:37: Aber auch weil ich mir dachte wer bin ich denn dass ich jetzt über geflüchtete Personen reden kann und forschen kann?
01:11:44: Ich kenne mich ja irgendwie gar nicht so genau damit aus!
01:11:46: Ich hab da keinen genaueren Bezug weder persönlich noch wissenschaftlich und ich halte auch nichts viel davon einfach zu sagen ich suche mir jetzt irgendeine Gruppe an Menschen aus und untersuche die mal nach... irgendwelchen Hypothesen, und hab dann lieber Hypothese angestellt auch so auf meinem Leben aufbaut.
01:12:07: Denn meine Erwartung war von Anfang an dass die Diagnose von migrantischen Familien wahrscheinlich nicht verstanden wird oder anders verstanden werden oder das es ein schwierigerer Aushandlungsprozess ist wenn man die Eltern vielleicht auch nicht mitnehmen kann bei einem Beratungsgespräch.
01:12:28: Und darauf aufbauen habe ich dann die ganzen, ja diese Forschung entwickelt.
01:12:34: Ich hatte auch im Erstellungsprozess viel Feedback von Mitstudierenden und auch für meinen Betreuer.
01:12:42: Da war ich wirklich sehr erleichtert denn das Thema wurde immer sehr sensibel behandelt.
01:12:46: Und ich hatte immer ein bisschen Angst dass ich Kritik an der Arbeit persönlich nehmen würde.
01:12:52: Das ist glücklicherweise nicht passiert vielleicht auch weil die Kritik immer Respektvoll auch mitgeteilt wurde und es auch einfach um das fachliche ging.
01:13:01: Ja, so konnte ich das Ganze dann schärfen.
01:13:05: Es war für mich unglaublich spannend Und es hat mich auch sehr berührt dass sich so viele Menschen kennen lernen durfte die sich angesprochen gefühlt haben und dann dieses interview mit mir machen wollten.
01:13:17: Es hat sich auch irgendwie besonders angefühlt zu wissen es gibt ja so viele.
01:13:22: Also, es hat sich ein bisschen angefühlt wie bei Pokémon gibt's diese Shinee die dann glitzern oder bunt sind und halt besonders sind.
01:13:30: Weil es ja so einzigartig ist das wirklich all diese Faktoren also all diese faktoren aber der Migrationshintergrund und die psychische Erkrankung dass das wirklich zutrifft Und das war schon auch schön zu wissen Dass es auch einfach viele Menschen gibt die die eigenen Erfahrungen teilen Auch wenn diese eben nicht zufällig alle mit mir irgendwie in die Schule gegangen sind oder studiert haben, oder so.
01:13:58: Und auch dieses Vertrauen was mir entgegen gebracht wurde also wir wurden da wirklich sehr persönliche Lebenserfahrungen erzählt.
01:14:05: ich hatte das Gefühl dass da auch einfach ein gutes Gespräch entstanden ist und das wäre wahrscheinlich vermute Ich auch nicht entstanden wenn ich auch Nicht eine eigene Betroffenheit hätte.
01:14:17: Also ich denke wenn ich jetzt ganz erlaubt gesagt, irgendwie ein sechzigjähriger alter weißer Mann wäre und jetzt frage okay ich suche Personen mit diesen beiden Kriterien und will ein Gespräch darüber führen.
01:14:29: Vielleicht ist es dann im ersten Moment nicht ganz so herzlich oder nicht ganzso dass man sich von Anfang an irgendwie verstanden fühlt.
01:14:38: Und das hat mir auch sehr viel zurück gegeben, dass mir so viele Vertrauen entgegen gebracht wurde.
01:14:45: Ich würde sagen, das Interview führen war auch Schönste, das Aufregendste an der ganzen Arbeit.
01:14:51: Danach wurde es anstrengend also das ganze Ausarbeiten und dann auch dieses wissenschaftliche.
01:14:59: Also da zwischenzeitlich wollte ich die Sachen einfach nur hinter mich bringen hab dann aber meine arbeit noch mal verteidigt Und Das war unglaublich wertvoll für mich.
01:15:10: dass ist nicht einfach nur abtippe und abschicke und fertig.
01:15:14: Ich habe es mir am ende Ich hab's gedruckt in Händen gehalten und ich wollte es mir gar nicht mehr anschauen.
01:15:19: Ich wollte sie einfach weghaben, dachte mir na wenn da ein Tippfehler ist oder so dann bleibt er jetzt drin.
01:15:26: Und im Nachhinein musste ich die Defensio noch mal vorbereiten.
01:15:30: also ich musste die Arbeit verteidigen vor drei Prüfenden meiner Universität also meinem Betreuer und dann noch zwei weiteren prüfen.
01:15:39: und ja die Öffentlichkeit wäre prinzipiell auch eingeladen gewesen, aber wieso üblich sitzen dann halt mein Freund und eine Freundin mit drin.
01:15:48: Und da habe ich aber schon noch mal gemerkt dass es ein wirklich tolles Thema ist und das ich da sehr stolz drauf bin... ...und dass sich auch stolz auf den Prozess und die Ergebnisse bin.
01:15:59: Und einfach dadurch dass ich auch betroffen habe, ist mir so unglaublich wichtig Ergebnisse habe, die auch irgendwie meine Realität sichtbar machen.
01:16:10: Die auch diese Lebensrealität einfach mal schwarz auf weiß und dann auch in die Bibliothek der Universität Wien bringen.
01:16:17: Also das bedeutet mir so viel... Das ist total aufregend!
01:16:23: Es hat mir auch eine sehr sehr viel Selbstwirksamkeit gegeben weil ich das Gefühl hatte, dass hat eigentlich noch niemand einfach mal so festgehalten, dass es so ist.
01:16:33: Vielleicht reicht das auch, um ein bisschen diese Anerkennung für das Thema zu schaffen.
01:16:38: Oder vielleicht ermöglicht es auch noch weitere Forschungen in diese Richtung?
01:16:43: Vielleicht gibt's auch als Leute die das hören und sich denken hey da interessiert mich noch mehr!
01:16:47: Vielleicht gibt es doch noch was... vielleicht könnte man noch spezifischer forschen.
01:16:52: denn was mir schon gefehlt hätte ich hätte sehr gerne mit männlichen Personen gesprochen.
01:16:58: Ich fände es auch super spannend, auch generationsübergreifend mit verschiedenen Personen zu sprechen oder auch mal in einer Familie genauer bisschen reinzuschauen, wie genaue Familienstrukturen sind.
01:17:11: Wie die Betroffenheiten sind?
01:17:12: Ob es geschlechtsspezifische Unterschiede gibt bei Geschwistern zum Beispiel, ob sie unterschiedlich behandelt werden und ob es unterschiedliche Erwartungen gibt.
01:17:21: Also hinterher bin ich mit ganz vielen neuen offenen Fragen rausgegangen.
01:17:27: aber ich muss wirklich sagen Ich bin so dankbar dass sich in einer Master-Bite und das ist eine Master-Byte.
01:17:34: Das ist für mich sehr groß gewesen, aber die Wissenschaft nur eine kleine Arbeit, dass ich mich da so selbst verwirklichen konnte, dass sich das Thema selbst aussuchen durfte, dass Ich die gesamten Prozesse so aktiv mitgestalten durfte und das dann auch hinterher so ausarbeiten konnte genauso wie ich es mir gewünscht habe Auch die Anerkennung, die ich dann noch bekommen habe auch wissenschaftlich.
01:18:04: Also das hat mir alles sehr viel bedeutet.
01:18:09: Mega mega schön Lisa!
01:18:12: Die anderen sehen dich nicht aber ich sehe dich gerade am Strahlen und noch abends zurückdenken.
01:18:17: Das
01:18:19: klingt nach nahe sehr aufregenden und spannenden persönlichen Reise.
01:18:24: Und wie schön, dass du aus deiner ganz persönlichen Lebenserfahrung da deine These aufstellen konntest und die dann tatsächlich validiert worden ist.
01:18:36: Also das sind wir auch beim Thema Wissenschaft.
01:18:38: Thesen dürfen ja auch falsifiziert werden.
01:18:40: Es hätte ja auch rauskommen können.
01:18:42: Oh!
01:18:42: Das scheint nur deine ganz eigene Lebensrealität und dein Weltbild zu sein.
01:18:47: Deine ganzen Interviewpartnerinnen haben das ganz anders erlebt und deswegen finde ich ja ganz, ganz wichtig da mit der wissenschaftlichen Klarheit ranzugehen.
01:18:58: Das ist erst mal eine Hypothese und dann gucken wir wo es weiter geht und gleichzeitig in das also ganz am Anfang gerade erwähnt und das mag ich einfach nochmal betonen Ich finde die Frage total berechtigt, zumindest heutzutage noch – ich hoffe in der Zukunft nicht mehr – kann und darf ich zu dem Thema forschen, wo ich selbst Betroffene bin.
01:19:23: Ich sag mal, die ganz oldschool Wissenschaft.
01:19:28: sofort zwanzig, dreißig Jahren noch wäre die Antwort ganz klar nein gewesen.
01:19:32: Weil als ganz kalkulierende kognitive Wissenschaftlerinnen dürfen wir ja nicht emotional involviert sein.
01:19:41: oder wenn wir es wären dann müssen wir ganz klar uns davon abgrenzen können und das Nichtspüren.
01:19:47: und dies das Ananas.
01:19:49: Ihr merkt schon ich übertreibe ein bisschen aber ich finde Man merkt schon, dass da gerade in der Wissenschaft noch mal ein Umschwung passiert.
01:19:59: Auch mit unserer Generation die jetzt in die Wissenschaft rein sprudelt das es auch einfach heute in Ordnung näher wird zu forschen wenn man selbst betroffen ist.
01:20:13: denn und da finde ich das ganz große Argument wenn nicht wir wer dann?
01:20:19: so wie du gesagt hast ja klar könntest du jetzt vermessen der weise sagen ok dann forsche ich halt zu geflüchteten oder zum muslimischen frauen aber.
01:20:29: Ich habe überhaupt keinen bezug zu.
01:20:30: ich wüsste nicht mal was meine hypothese wäre.
01:20:33: also das ist ja was ganz anderes als wenn man aus der Lebenserfahrung, aus dem Umfeld.
01:20:41: Aus all dem was einem im Leben begegnet schon Hypothesen bildet oder Weltbilder hat und sagt okay jetzt möchte ich das mal untersuchen und gucken ob dem so ist oder nicht.
01:20:52: Und jetzt machen wir das Feld noch größer und schauen auf das Thema Rassismus beziehungsweise Anti-Rassismusforschung.
01:20:59: So ja es ist schade dass der Großteil der Anti-rassismus Forscher innen Nicht weiß sind und gleichzeitig ja weil die den nicht haben, weil die die Lebensrealität haben und sagen wir müssen das erforschen.
01:21:13: Wir müssen uns das anschauen wir müssen daraus Konzepte entwickeln wir müssen Daraus in Trainings gehen für Unternehmen Für NGOs für Vereine und so weiter um da sind wir wieder aus Aus dem persönlichen Schmerz heraus, die Gesellschaft und die Welt vielleicht ein kleines Stückchen besser zu machen.
01:21:33: Ein bisschen zu verändern.
01:21:35: Und deswegen bin ich eine ganz große Freundin von ja aus der eigenen Betroffenheit.
01:21:41: wenn man dennoch da ist und präsent ist und sich die Betroffenkeit klar im Blick hat und die Ergebnisse nicht verfälscht finde ich das einen sehr legitimen Ansatz.
01:21:52: Ja!
01:21:52: Sehr schön zusammengefasst Und man ist ja immer in irgendeiner Form betroffen.
01:21:57: Auch das ist auch wichtig, wenn ich jetzt sage, okay, ich forsche über muslimische Frauen, beispielsweise ist meine Betroffenheit vielleicht auch dass ich mich überhaupt nicht auskenne?
01:22:05: Dass ich genau in diesem Fall die Codes falsch lesen könnte oder vielleicht auch sprachliche Hürden hätte und diese... dieses Konstrukt von dieser objektiven, ich gucke ganz objektiv.
01:22:20: Ich setz mir die Brille auf und keiner meiner Gefühle und Gedanken spielt mit rein.
01:22:24: das gibt's halt nicht denn wir sind alle irgendwie sozialisiert Wir lesen Wörter Körper gesticken und alles immer in der Sprache der wir es halt können.
01:22:33: Und da ist auch voll wichtig und ich fühl mich jetzt auch wieder sehr bestätigt den ganzen dass Man das einfach mit rein reflektiert dass man auch einfach erklärt wo ist der eigene Standpunkt wo ist die eigene Betroffenheit Und für mich hat das viele Türen geöffnet, auf jeden Fall.
01:22:50: Aber es wichtig ist ja einfach, dass man das immer schafft den Zugang zu den Menschen zu finden und die Dinge dann auch so aufzunehmen wie es vielleicht auch intendiert war von anderen Personen.
01:23:02: Vielleicht konnte ich das in dem Fall ein klein wenig besser als eine Person, die komplett außen stehend gar keine Ahnung hat worum es jetzt so ginge?
01:23:11: Ja voll!
01:23:14: Lisa... Ich danke dir für deine Zeit hier im Podcast, für dein Herzblut das du in diese wundervolle Arbeit reingesteckt hast.
01:23:24: Für sein Sein und ich bin gespannt wo deine Arbeit und deinen Weg dich und uns noch so hinführen wird.
01:23:33: Hast du noch last words?
01:23:35: Magst du unseren Zuhörenden noch was mitgeben bevor wir enden?
01:23:44: Aber ich mag mich auf jeden Fall so herzlich für die Einladung bedanken.
01:23:48: Also auch noch mal drüber zu sprechen zeigt mir auch nochmal, dass es fachlich und für mich persönlich einfach einen Mehrwert gebracht hat Und ich freue mich unglaublich wenn's auch anderen interessant finden.
01:23:59: Vielleicht gibt's noch ein paar offene Fragen oder auch Kritikpunkte vielleicht klärt sich einiges durch die schriftliche Arbeit Wenn nicht das jetzt nicht ganz so sortiert erzählen konnte.
01:24:10: Aber ich freue mich wirklich sehr auch einfach für die Möglichkeit, das nochmal auf einer bisschen einfacheren Sprache trotzdem noch sehr kompliziert aber für ein breiteres Publikum zumindest, dass auch einfach noch einmal teilen zu dürfen.
01:24:25: Danke mal!
01:24:26: Voll voll gerne Lisa, danke dir!
01:24:30: So und das war's mit der heute etwas längeren Podcast-Folge zum Thema PDBS Migration, Diagnose.
01:24:41: Wir... haben ganz, ganz viel über Lisa's Arbeit gesprochen.
01:24:47: Und wenn du jetzt das Gefühl hast, boah ich will da reinlesen, das ist super spannend für mich!
01:24:52: Der Link ist in den Show Notes also in der Folgenbeschreibung.
01:24:55: einfach einmal in deiner Podcast App unten wahrscheinlich auch mal aufklappen und da findest du den Link und kannst dir die Arbeit direkt als PDF-Datei herunterladen und da weiter rein lesen nicht ein bisschen weiter rein nörden.
01:25:12: Und wenn dir unsere Arbeit hier gefällt, die wir mit unserem Survivor Queen Podcast machen.
01:25:19: Freuen wir uns über eine, ein Klammern vielleicht fünf Sternebewertung auf deiner Podcast-Plattform.
01:25:27: Wo auch immer du uns hörst es hilft uns wenn wir Bewertungen bekommen, wenn du unseren Podcast folgst damit wir noch mehr Menschen ausgespielt werden, damit die Podcast-Platformen und Algorithmen merken dass wir hier coole Arbeit machen und sie uns deswegen noch anderen Menschen ausspielen!
01:25:45: Und damit wünsche ich dir erstmal einen Schönen Abend, Tag.
01:25:49: Nachtmorgen war noch immer du uns hörst und wir hören uns in der nächsten Folge wieder.
01:25:54: Bis ganz bald!